cher+++Neue Bücher+++Neue Bücher+++Neue Bücher+++Neue Bücher+++Neue Bücher+++Neue Bücher+++Neue Bücher

Dachau nach dem Mai 1945: Ort und Häftlinge

Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hg.): Zwischen Befreiung und Verdrängung. Dachauer Hefte 19, 2003; 300 S., 14,00 €.

Zum 19. Mal sind vor einigen Monaten die Dachauer Hefte erschienen, das herausragende deutschsprachige wissenschaftliche Periodikum zur Geschichte der Konzentrationslager.
17 Autorinnen und Autoren beschäftigen sich diesmal mit der frühen Nachkriegsgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager.
Den Auftakt bildet die von Harold Marcuse aufgeschriebene unglaubliche Geschichte, dass ein ehemaliger Häftling bei einem Spaziergang am Leitenberg in der Nähe des ehemaligen KZ Dachau an einem Erdhügel zahllose Knochen und Schädel aus einem Massengrab herumliegen sah.
Vor diesem Hintergrund – der wie eine Einstellung aus einem Film über die Nachkriegszeit wirkt – werden folgende Hauptaspekte behandelt:
• die Internierung (von NS-Funktionären) in der US-Zone und in der „SBZ“;
• die DP-Camps, am Beispiel Bergen-Belsen;
• die Erinnerungsarbeit der Häftlings-Komitees und die Verdrängungsarbeit der Bevölkerung (Niederlande, Flossenbürg, Neuengamme;
• die Überlebensqual und der Selbstfindungsprozess der ehemaligen Häftlinge.
Fazit: hohes wissenschaftliches Niveau und hoher Informationsgehalt, gute Lesbarkeit und viele bewegende Details zum Beginn der bis heute anhaltenden Wirkungsgeschichte des KZ-Systems. (sl)


Die „Volksgemeinschaft“ und andere Konstrukte …

Wolfgang Benz, Peter Reif-Spirek (Hg.):
Geschichtsmythen. Legenden über den Nationalsozialismus
. Berlin (Metropol) 2003, 170 S., 16,00 €.

Man muss sich nicht unbedingt ins rechtsextreme Milieu bewegen, um auf die zähen Überbleibsel nationalsozialistischer

 

Propaganda zu stoßen. Eine Fahrt im Bus vom Rathaus in Ulm nach Böfingen oder sonstwohin genügt da schon. Da hört man dann Äußerungen wie: Die Juden hätten den Deutschen den Krieg erklärt; auch die Allierten hätten Kriegsverbrechen begangen; Rudolf Heß, Albert Speer seien „ehrenhafte“ Nazis gewesen; die „Volksgemeinschaft“ sei doch das wahre Mittel gegen Überfremdung … usw.
Acht Autoren beschreiben, erklä-ren und widerlegen in diesem Referate-Band einer Tagung solche und ähnliche Geschichts-mythen und liefern so Argumente für die Auseinandersetzung mit den Gestrigen, die im Heute mitmischen wollen. Auch wenn thematisch ähnliche Bücher (u. a. von Wolfgang Benz selbst) schon auf dem Markt sind, ist auch dieses weitere nützlich für alle streitbaren Geister im täglichen Kampf um Demokratie und Toleranz. (sl)


Antisemitismus und Wirtschaftskrisen

Gerhard Hanloser:
Krise und Antisemitismus. Eine Geschichte in drei Stationen von der Gründerzeit über die Weltwirtschaftskrise bis heute
. Münster 2003 (Unrast), 135 S., 13,00 €.

Der Freiburger Sozialwissen-schaftler analysiert v. a. die Zusammenhänge zwischen den großen Wirtschaftskrisen im Kaiserreich (Gründerkrise 1873) und der Weimarer Republik (Weltwirtschaftskrise 1929) mit dem Antisemitismus. In beiden Fällen wuchs dieser stark an, u. a. weil es einigen Demagogen (u. a. Hofprediger Adolf Stoecker bzw. Adolf Hitler) öffentlichkeits-wirksam gelang, Juden die Schuld an diesen Krisen zuzuschieben. Zwar waren diese Anschuldigungen unsinnig, aber sie aktivierten in von Arbeitslosigkeit und sozialer Verunsicherung geprägten Zeiten das ältere Vorurteil , dass Juden das Finanzkapital kontrollierten und somit durch Geldspekula-tionen Wirtschaftskrisen auslösen könnten. Dahinter steht der angebliche Gegensatz zwischen dem „schaffenden“ (deutschen) und dem „raffenden“ (jüdischen) Kapital, eine Argumentation, die auch in der gegenwärtigen

 

Wirtschaftskrise verstärkt vertreten wird – und keineswegs nur von Neonazis.
Hanloser knüpft in seinen Analysen v. a. an die Kritische Theorie an. Auch wer Hanlosers Ableitungen des Geldfetischis-mus aus den Marxschen Grundkategorien für Scholastik hält, wird das Buch mit Gewinn lesen und hellhöriger für antisemitische Klischees werden. (Peter Bräunlein)


Furchtlose Juristen

Angela Borgstedt (Hg.):
Badische Juristen im Widerstand (1933 – 1945). Porträts des Widerstands, Bd. 9
, hg. Von der Forschungsstelle Widerstand (…) Uni Karlsruhe, Konstanz (UVK-Verlagsgesell-schaft) 2004,180 S., 14,90 €.

Neben den Tausenden „furcht-barer“ Juristen gab es auch einige Dutzend furchtloser Juristen im NS-Staat. In diesem verdienstvollen Band sind acht Beispiele aus Baden aufgeführt: Juristen (darunter sogar Mitglieder der NSDAP), für die auch nach dem März 1933 noch rechtsstaatliche, nicht an „Volksgemeinschaft“ und Führer-Willen orientierte Grundsätze galten, und die bereit waren, Handlungsspielräume auszuschöpfen.
Ihre Namen: die Amtsrichter Alfred Weiler und Paul Zürcher; die Notare Josef Holler und Franz Ripfel; die Staatsanwälte Richard Fleuchaus und Walter Bargatzky; die Verteidiger Karl Siegfried Bader und Hermann Veit. Ihre Schicksale und Beweggründe sind in diesem Band nachzu-lesen: ein kleines Denkmal gegen den Strom der damaligen Zeit. (sl)

 
 

Seite 22

Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 |