95. Deutscher Katholikentag in Ulm
Der Beitrag des Dokumentationszentrums:
Ausstellung zum Völkermord an den Sinti und Roma

Von 16. bis 20. Juni fand in Ulm der 95. Deutsche Katholikentag statt. Er war ein sehr lebendiges, viele Impulse bringendes Ereignis für die Stadt … und die Gedenkstätte.
Das Dokumentationszentrum und die Landesarbeitsgemeinschaft badenwürttembergischer Ge-denkstätten (LAG) hatten früh-zeitig ihr Interesse an einer Mit-wirkung angemeldet. Bedauerlicherweise konnte der Bitte, einen Infostand für LAG und DZOK anbieten zu dürfen, nicht entsprochen werden. Grund: nur kirchliche Organisationen seien aus Platzgründen dafür zugelassen.
Die Ulmer KZ-Gedenkstätte war vier Tage lang von 11 bis 18 Uhr geöffnet, in der Mittagszeit gab es jeweils zwei Führungen. Über hundert Teilnehmer des Katho-likentags aus allen Altersgruppen machten davon Gebrauch. Die szenische Lesung der Theater-gruppe des Gymnasiums Wib-lingen zum Alltag der Kuhberg-Häftlinge (Titel: „Es war ein qualvolles Dasein“) wurde vom Publikum mit großem Applaus quittiert.
Im Mittelpunkt des DZOK-Ange-botes stand die vom Landes-verband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg produzierte Sonder-Ausstellung zum Völkermord an den Sinti und Roma mit dem Titel „…wegge-kommen. Abschied ohne Wiederkehr".

 

 

Daniel Strauss, der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg der Sinti und Roma, zeigt bei der Eröffnung der Ausstellung am 13. Juni auf die Fotos mit seinen Großeltern, die deportiert und ermordet worden sind.
(Foto: Sobkowiak, A-DZOK, Sinti 04)

Die Wander-Ausstellung ist zu bestellen beim Landesverband der Sinti und Roma, Bluntschlistraße 4, 69115 Heidelberg; tel. 0611-138600.

 

 

Sie wurde von 13. Juni bis 4. Juli gezeigt.
In seiner Begrüßungsrede sagte der Leiter der Gedenkstätte, Silvester Lechner, dass es auch ein Teil der Geschichte der christlichen Kirchen in Deutschland sei und eine He-rausforderung bis heute, dass die großen Konfessionen sich nicht bei Ausgrenzung, Verschleppung und Ermordung der Sinti und Roma, die alle Christen gewesen waren, aktiv eingemischt hätten.
Die Ausstellung in Ulm wurde unterstützt von der Landes-zentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, dem Landesverband der Sinti und Roma und dem evangelischen Pfarrer Dr. Andreas Hoffmann-Richter.

Als Begleitveranstaltungen wur-den u. a. Zeitzeugengespräche mit Hildegard Franz sowie eine Lesung von Michail Krausnick aus seinem Buch „Auf Wieder-sehen im Himmel“, der Geschich-te von der Rettung des Sinti-Mädchens Angela Reinhardt, angeboten.

 

Konflikt im Vorfeld des Kirchentags
Fast ein Jahr vor Beginn war es in Sachen DZOK-Beitrag zum Kirchentag vereinsintern zu einer Auseinandersetzung gekommen. Auf die Bemerkung des Leiters im Rahmen der Jahres-Mit-gliederversammlung hin, dass neben anderen inhaltlichen Angeboten bei Bedarf eine kirchliche Gruppe im Rahmen des Katholikentages in der Gedenkstätte auch eine Messe abhalten könne, teilte das ehemalige Vorstandsmitglied Heinz Kopp mit Hinweis auf die Rolle der katholischen Kirche in der NS-Zeit seinen Austritt aus dem Verein mit.
Übrigens: das Bedürfnis nach einer Messe wurde von keiner Gruppierung für die Zeit des Katholikentags angemeldet, weshalb auch keine statt fand.
Den Briefwechsel zu dieser Auseinandersetzung druckte das Blatt „Augen-Blick mal“ der „Freidenkerinnen und Freidenker Ulm/Neu-Ulm e. V.“ (Postfach 1667, 89006 Ulm) in seiner Ausgabe 10, Winter 2003, ab. (sl)

 

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