„mit den Angaben des früheren Eigentümers“ (Herr Rühmer jr.) decke. Fazit: Prinzipiell seien „historische Stätten“ „der menschenverachtenden Verfolgungs- und Ausbeutungspolitik des Nationalsozialismus von Bedeutung“, im Fall Unterfahlheims jedoch sei die „Denkmaleigenschaft des Areals“ nicht gegeben. Im Rahmen des Ortstermins stellte Herr Rühmer, der als Kind das Gelände kennengelernt und der es bis in die 60er Jahre besessen hatte, fest, dass in den Forschungsergebnissen von Sabine Schalm Fehler seien. Herr Lechner forderte ihn auf, diese Fehler zu korrigieren und insbesondere zur biographischen Profilierung seines Vaters beizutragen. Beides ist bis heute nicht geschehen.

Nachrecherche 2:
Neue Ergebnisse – vielleicht „denk mal würdig!“?

Nach Erscheinen des Artikels zu den Vorgängen in den „Dr. Rühmer‘schen Fischzuchtanlagen“ in den letzten Kriegsjahren haben sich verschiedene Zeitzeugen beim Dokumentationszentrum gemeldet, die zu neuen Erkenntnissen beitragen konnten.

Zeitzeuge Johann Scheiblhuber beim Ortstermin am 30. April 2004.

Am 11. März und am 30. April 2004 wurde das Gelände mit Johann Scheiblhuber, Jahrgang 1921, dem Sohn des ehemaligen Besitzers der Fischteiche bis Ende der 30-er Jahre, in unmittelbarer Nähe aufgewachsen und heute noch dort lebend, begangen. Scheiblhuber war seit 1939 Soldat an der Front, ist aber zu Besuchen immer wieder nach Unterfahlheim zurückgekehrt.
Diese Begehung brachte neue Erkenntnisse und partiell Korrekturen der Ergebnisse vom 19. Februar.

 

 

1. Die heute noch bestehende Holzhütte sei als Bauwerk, in dem Häftlinge arbeiteten authentisch, sie habe bis 1946 allerdings an einem anderen Ort gestanden. Dann sei sie von Karl Rühmer an den gegenwärtigen Ort versetzt und mit einem Betonfundament versehen worden. Sie habe bis dahin an der Südwestgrenze zu Rühmers Grundstück auf Holzpfählen gestanden. Die Hütte habe damals als Forellenbruthaus gedient, in dem Häftlinge Fischeier pipetierten.

2. Weiter erinnerte sich Johann Scheiblhuber an verschiedene andere Gebäude auf dem Gelände. So habe Karl Rühmer nahe der heutigen Holzhütte ein Blockhaus errichtet, in dem er bis Kriegsende auch wohnte, wenn er in Unterfahlheim war. Johann Scheiblhuber erinnert sich deshalb so gut daran, weil sein Vater beim Bau des Blockhauses im alpenländischen Stil geholfen habe. Heute steht das Blockhaus nicht mehr. Aufzufinden ist allerdings noch das Fundament einer Garage, in der Karl Rühmer seinen BMW untergestellt habe.

3. Spuren einer 4 m x 8 m großen Baracke, in der die Häftlinge ihre Mahlzeiten zubereiteten und einnahmen, sind bis auf eine Spüle, die heute zwischen Büschen liegt, nicht mehr vorhanden. Johann Scheiblhuber erinnert sich, dass die Häftlinge dort Pferdefleisch aus Aluminiumgeschirr gegessen hätten. Fische aus der Zucht seien nur in Ausnahmefällen für sie bestimmt gewesen. Die Hütte sei mit Holzbänken und Tischen eingerichtet gewesen.

4. Geht man von der Spüle durch das Wäldchen in südlicher Richtung zum ehemaligen Blockhaus, dann kommt man zu den Resten eines Drahtzaunes der ehemaligen Silberfuchszucht.

 

Scheiblhuber erinnerte sich, dass er hier bei seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Juli 1946 zwei Silberfüchse fand und mehrere tote Tiere. Die Versorgung der Silberfüchse - meist mit Pferdefleisch - war auch Aufgabe der KZ-Häftlinge.

 5. Östlich von dem ehemaligen Silberfuchsstall, hinter der heute noch stehenden Hütte, ließ Karl Rühmer einen Kuhstall errichten, in dem eine Kuh seinen persönlichen Milchbedarf deckte. Die Häftlinge erhielten keine Milch von dieser Kuh. Die eingestürzten Mauern des Kuhstalles sind noch teilweise erhalten.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege antwortete auf die neuen Erkenntnisse: „Auch wenn man davon ausgeht, dass die Aussage des wohl letzten Zeitzeugen den Sachverhalt richtig wiedergibt, bleibt unsere bisherige Beurteilung … bestehen. Denn die noch vorhandene Hütte (…) überliefert (…) eine Konfiguration der Fischzuchtanlage, die der Zeit nach 1945 angehört“.

Zusammenfassung
Mit den Bescheiden des Landesamtes haben wir uns abzufinden. Doch auch ohne denkmalwürdige Relikte ist, so meinen wir, die historische Existenz eines KZ-Lagers des „Denkens und Gedenkens“ würdig. Aus dem Etikett „denkmalwürdig“ wird so die Aufforderung, „denk mal würdig!“. In diesem Sinn schrieben wir am 4. März an den Landrat von Neu-Ulm, Herrn Gessner, dass es nun Aufgabe der Gemeinde und des Landkreises sei, in angemes-sener Form der Häftlinge in diesem KZ-Außenlager zu gedenken, z. B. in Form einer Gedenktafel in Unterfahlheim. Das Dokumentationszentrum würde gerne bei der Formulierung des Textes behilflich sein.


 
       

 

 

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