Zerstörte Halle in Werk II der KHD-Magirus AG nach dem Bombenangriff vom 13. September 1944; links Teile des auch von den KZ-Häftlingen produzierten Ein-Mann-Unterseebootes „Biber“. Aus: Ulmer Bilder-Chronik 5b, hg. von Hildegard Sander, Ulm 1989, S. 764
 

 

nach Dachau zurückgebracht [8]. Das Außenlager Ulm existierte laut Konzentrationslagerakten bis zum 11. März 1945 [14]. Zurück in Dachau wurden die italienischen Häftlinge in das Außenlager Fischen im Allgäu überführt.

Spärliche Belege für das Ulmer KZ-Außenlager
Heute sind in verschiedenen Archiven in England Luftbilder der Alliierten erhalten, auf denen die Fabrikanlage vor und nach der Zerstörung durch die Bombardie-rungen zu sehen ist [15].
Auch Hans Eugen Speckers Publikation „Ulm im Zweiten Weltkrieg“ enthält Reproduktionen zweier Luftbilder [16].


 

Der ehemalige LKW Fahrer der Firma, Karl Aubele, erinnerte sich, dass die Häftlinge gestreifte Sträflingskleidung trugen und dadurch von den anderen Arbeitern zu unterscheiden waren [8]. Im Januar 1945 wurde Miccio Lucio aus Sorrent, Italien, auf Grund seiner Qualifikation – er war vor seiner Verhaftung Facharbeiter der Firma Fiat in Neapel gewesen – vom Konzentrationslager Dachau nach Ulm zur Firma Klöckner-Humboldt-Deutz gebracht. Zusammen mit anderen Häftlingen wurde er mit einem Postautobus nach Ulm gefahren. Lucio erinnerte sich, dass die Häftlinge in einer Holzbaracke an einem Fluss untergebracht waren. Die Unterkunft der Häftlinge auf dem Firmengelände war eingezäunt. Im Gegensatz zum Dachauer Hauptlager schliefen die Häftlinge hier in richtigen Betten auf Strohsäcken mit Decken. In der Holzbaracke gab es auch einen kleinen Ofen, der nachts in Betrieb war [9].
Ungefähr 100 bis 200 Meter entfernt lag die Fabrik, in der die Häftlinge zum Arbeitseinsatz kamen. In einer großen Fertigungshalle im Werk II wurden Teile für das Ein-Mann-Unterseeboot „Biber“. produziert. Deutsche Zivilarbeiter lernten die Häftlinge an und wiesen ihnen ihre Arbeiten im Bereich Montage zu. Andere Kontakte mit Zivilisten in der Firma waren streng verboten [7].

Wachmannschaften
Die Wachmannschaften waren ältere Wehrmachts- und Marineangehörige, nur der Lagerleiter war ein SS-Angehöriger im Rang eines Oberscharführers. Die Wachmänner waren in einer anderen Baracke nahe den Häftlingsunterkünften einquartiert. Der Lagerleiter wurde von mehreren Häftlingen

 

als erträglich beschrieben und habe sogar mit ihnen italienisch gesprochen. Er misshandelte die Häftlinge nicht und setzte sich dafür ein, die Essensrationen der Häftlinge aus der Firmenkantine aufzubessern [10].
Während des Bestehens des KZAußenlagers in Ulm gab es keine Tötungen von Häftlingen. Weder im Standesamt Ulm noch in den Akten der KZ-Gedenkstätte Dachau haben sich bisher Todesbeurkundungen gefunden. Allerdings wissen wir von Arturo Gerchi, dass er einmal von einem seiner Bewacher schwer mit einem Gewehrkolben misshandelt wurde [11]. Außerdem ist bekannt, dass auch in diesem Kommando die Prügelstrafe vollzogen wurde [12].
Arturo Gerchi erwähnte, dass in dem Kommando „eine sonderbare Krankheit festgestellt wurde“ [7]. Einige Häftlinge litten an Aufblähungen und wurden nach Dachau zurückgebracht. Ein Teil von ihnen kehrte später wieder nach Ulm zurück, aber nicht alle. Näheres über diese Krankheit war nicht in Erfahrung zu bringen.

Das Ende des KZ-Außenlagers
Am 25. Februar 1945 wurde das Werkgelände bei einem Bombenangriff der Alliierten schwer getroffen. Die Häftlinge wurden daraufhin zu Reparaturarbeiten von Telefonkabeln eingesetzt [13]. Der ehemalige Häftling Rinaldo Muset berichtete von der Evakuierung des Lagers nach der Bombardierung der Stadt Ulm am 1. und 4. März 1945. Dabei wurden bei Magirus-Deutz drei Hallen und der Holzlagerplatz in Neu-Ulm vollkommen zerstört. Nach den Luftangriffen arbeiteten die Häftlinge nicht mehr in der fast völlig zerstörten Fabrik, sondern wurden mit einem Firmenomnibus

 

Mit letzter Sicherheit lassen sich die Häftlingsunterkunft und die Baracke der Wachmannschaften nicht ausmachen.
Der wohl wichtigste Archivbestand sind die Vorermittlungsakten der Zentralen Stelle der Landesjus-tizverwaltungen in Ludwigsburg aus den Jahren 1973 bis 1976. Hier finden sich wichtige Zeugen-aussagen von ehemaligen Häftlingen.
Nach weiteren Anfragen bei Herrn Schwarz vom Firmenarchiv der heutigen Iveco-Magirus AG in Ulm wurde mitgeteilt, dass dort keine Unterlagen zu dem KZ-Außen-lager erhalten seien. Die 1989 im Auftrag der Iveco-Magirus AG publizierte Firmengeschichte [17] von Klaus Rabe liest sich wie eine „märchenhafte Erfolgsgeschichte“. Die dunkleren Kapitel über den Einsatz von KZ-Häftlingen oder Zwangsarbeitern sind darin ausgespart.
Dennoch soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass sowohl die Iveco-Magirus AG, Ulm, als auch die Klöckner Werke, Köln, und die Deutz AG, Köln, als namentliche Spender der Stif-tungsinitiative der deutschen Wirtschaft für die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, die die Entschädigung von Opfern des Nationalso-zialismus zum Ziel hat, gelistet sind [18].
Besonderer Dank gilt an dieser Stelle Herrn Max Schmidberger (Jahrgang 1908), einem ehemaligen Magirusmitarbeiter und Kenner der Firmengeschich-te, der durch sein Detailwissen zur Klärung verschiedener Fragen beigetragen hat. Dank auch an die Pensionärskameradschaft der ehemaligen KHD-AG.

Kein Gedenken?
Wie für das Unterfahlheimer Häftlingskommando gilt auch für das

 

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