Linas Buch ist wieder da!
Lina Haags „Eine Handvoll Staub“ wieder im Buchhandel
 


 

In diesen Tagen ist das Buch von Lina Haag „Eine Handvoll Staub“ in einer Ausgabe des Silberburg-Verlags in Tübingen (Preis: 13,90 €) neu herausgekommen, nach-dem es jahrelang vergriffen gewe-sen war. Das Buch, noch 1944 zu Papier gebracht, gibt Zeugnis vom Widerstandswillen einer Frau gegen das NS-Regime und es ist eine große Liebesgeschichte. Es war 1947 als Tatsachenbericht über Verfolgung und Widerstand des württembergischen kommu-nistischen Landtagsabgeordneten Alfred Haag und seiner Frau Lina aus Schwäbisch Gmünd erstmals erschienen und wurde seither fast eine halbe Million Mal gedruckt.
Dieses Buch ist ein Schlüssel-werk für die Gedenkstättenarbeit in Ulm; drei Aspekte ragen heraus: · Es ist das historisch genaueste, heute am Buchmarkt zugängliche Zeugnis zum Ulmer KZ Oberer Kuhberg, wobei der Kuhberg nur eine „Station“ in

 

einem die gesamte NS-Zeit andauernden Leben des Widerstands, der Verfolgung, der Selbstbehauptung.
• In der heutigen Arbeit der Gedenkstätte mit Jugendlichen ist es wohl das wirksamste Dokument aufgrund seiner ungemein spannend und zugleich anrührend menschlich-zeitlos erzählten Handlung.
• Und schließlich ist da der Umstand, dass die Autorin mit ihren 97 Jahren mit großem freundschaftlichen Interesse und ungebrochener Leidenschaft für Frieden und Gerechtigkeit die Arbeit der Gedenkstätten, und auch der Ulmer, begleitet. Deshalb besteht auch die Hoffnung, dass Lina Haag zusammen mit Tochter, Enkelin und Urenkelin am 14. November zur Gedenkfeier auf den Kuhberg kommt, um die szenische Lesung der DZOKJugendlichen aus ihrem Buch zu erleben. (sl)

 

 

 

  „Linas Buch ist wieder da!“ Am 21. April feierte Lina Haag (rechts) in ihrem Haus im Münchener Westen mit Urenkelin Franziska, Enkelin Susanne und Tochter Käthe (von links) die Neuerscheinung ihres Buches „Eine Handvoll Staub“. Auch Barbara Distel, die ein Nachwort verfasst hat, Christel Werner und Titus Häussermann vom Tübinger Silberburg-Verlag und Silvester Lechner waren dabei. (Foto: Christel Werner; ADZOK 4/04, Lina H.)

 

 


(Fortsetzung von Seite 4)
 

Rektoren werden aus einem Brief an OB Gönner zitiert, sie hätten lediglich „offene Fragen weitergeleitet, ohne sich selbst mit diesen Fragen zu identifizieren“. – Die Grünen im Stadtrat fordern, die Stadt solle in Archiven nach den „Tätigkeiten Pfizers“ vor 1945 forschen. Kommentar: „Natürlich darf man aufklären. Die Nazi-Vergangenheit war viel zu lange ein Tabu-Thema in Deutschland. Aber man darf nicht mit plumpen und emotionalen Verdächtigungen antreten (…) Die Wiblinger Lehrer haben es sich zu einfach gemacht. Sie haben puren Verdacht, als Frage formuliert, in den politischen Raum gestellt (…) Das ist bequem, macht keine Arbeit, und man macht sich die Finger nicht schmutzig. Man hat ja nur Fragen aufgeworfen. Aber auch Fragen können anklagen.“ (Willi Böhmer, SWP, 3. April)

• Überschrift: „Was die Stuttgarter Spruchkammer über Theodor Pfizer herausfand“, Zitat aus der Spruchkammer-Verhandlung vom 20. Januar 1947: „Der Verlauf der Verhandlungen hat ergeben, dass Herr Pfizer kein

 

Förderer, sondern ein konse-quenter Gegner des National-sozialismus gewesen ist. Er ist nicht belastet.“ (Willi Böhmer, SWP, 3. April)

• Überschrift: „Der Name Pfizer ist vom Tisch – ‚Nur ohne Vorbehalt‘“. – OB Gönner habe seinen Vor-schlag zurückgezogen. Es solle nur eine Einrichtung nach Pfizer benannt werden, „die sich ohne allen Vorbehalt zu dieser Namens-gebung bekennt - denn alles andere wird diesem Kommunal-politiker nicht gerecht.“ Kommentar (Überschrift: „Gönner zu schnell eingeknickt“): „Im Fall der Benen-nung des Schulzzentrums Wib-lingen nach Theodor Pfizer hat dessen Nach-Nach-Nachfolger Ivo Gönner zu schnell nachgegeben. So jammervoll wäre ein Pfizer nie eingeknickt, den Standhaftigkeit auszeichnete“ (...) Dies provoziere „nachgerade die Frage, ob da nicht doch vielleicht ein brauner Fleck gewesen sein könnte auf Pfizers Weste. Nach diesem Prinzip agiert der Denunziant.“ ( Uli Thierer, SWP, 7. April)

 

Damit ist für die Redaktion das Thema abgeschlossen. In Leserbriefen bewegt es allerdings noch bis zum 15. April die Gemüter:
„Unerträglich ist es, kritische Fragen zu Pfizers Rolle während der Nazi-Diktatur mit einem Spruchkammerspruch aus dem Jahre 1947 vom Tisch zu wischen, wie es OB Gönner wohl getan hat. Eine über 50jährige Forschung über die Nazi-Diktatur (u. a. auch über die Rolle der Reichsbahn) wird blauäugig ignoriert... Unerträglich ist es, wenn Willi Böhmer die Haltung der Wiblinger Lehrer mit ‚übel‘, ‚unerträglich‘, ‚missraten‘, ‚gefährlich‘ abqualifiziert. Wer solche Verbalattacken nötig hat, hat keine Argumente und/oder muss sich lieb Kind machen.“
(Leserbrief Johannes Rösner, SWP, 10.April)

• „Diese Schulmeister sind nur ein reichlich unbedarftes, einfältiges Werkzeug von Kreisen, die an der Reaktivierung des schlechten deutschen Gewissens interessiert sind.“ (Leserbrief Peter Grech, SWP, 10. April)

 

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