Die Scharfsteins in der ehemali-gen Boelke-Kaserne
Amnon Scharfstein war überglücklich, den Befund zu bekommen. Und für mich bedeutete dies einen direkten Austausch von Dokumenten und Bildern.
Ein Bild des Elternpaares vor einer markanten Tür ließ sich in der Ulmer Boelke-Kaserne lokalisieren. Diese ist zwar in jüngster Zeit abgebrochen worden, aber ein Haus mit eben dieser Tür blieb stehen.
Andere Dokumente der Scharfsteins zeigen Ausbildungsgänge oder erlauben uns Einblicke in das Gesundheitswesen der DPs in Ulm. Auf einem der Bilder gelang es, die Scharfsteins im Kinderkrankenhaus des „Agudat Israel“ in Ulm zu lokalisieren.
 

 

 

„Das bin ja ich!“
Zeitzeugen zu Dornstadt und Ulm
Bei einem Besuch im Kibbutz „Lohamei haGettaot“ zeigte mir Zvi Oren, Leiter des Fotoarchivs, Dokumente zum ehemaligen Kinder-DPLager in Dornstadt.
Er gab mir eine Liste mit lebenden Zeitzeugen, und ich konnte nicht glauben, was ich vor mir hatte:
Zippora Ittkind-Karpowsky z. B. lebt im Galil. Die Biografi e dieser tapferen Frau wäre ein eigenes Buch wert. Sie hat sehr viel für die Kinder in Dornstadt getan und war doch selbst damals fast noch ein Kind.

 

 

zuordnen. Er selbst war sehr bewegt und wollte alles über meine Arbeit wissen und er fragte nach Fotos von Ulm. Es stellte sich heraus, dass er nach der Lagerzeit in Dornstadt in der Sedankaserne war – und davon hatte ich Bilder. Als ich sie ihm zeigte, schrie er: „Das bin ja ich …“. Er hatte diese Bilder von sich selbst noch nie gesehen.
Nun kamen in wenigen Augenblicken Fundstücke zueinander, die sechzig Jahre lang verstreut gelegen hatten. Und ich konnte mit viel Informationen über die Sedankaserne und Dornstadt das Haus verlassen.

 

Mitglieder der Poalei Zion halten vom 14. – 15. September 1946 die erste Regionalkonferenz in Ulm ab. Sie tragen vor sich ein Spruchband: „Lang lebe die jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei Poalei Zion in Deutschland“.
Die Montage des historischen Fotos in die Aufnahme von 2003 zeigt: der Tagungsort des Kongresses war offensichtlich in der Bleidorn-Kaserne; im Hintergrund sieht man die Sporthalle. Durch die Bildrecherche konnte auch eine Tarbut-Schule in dieser Kaserne lokalisiert werden. (BildarchivLohamei HaGettaot, Israel)

links: David Szirmann in der Grundschule in der Sedan-Kaserne. Am Rand sitzt der Schulleiter Baikalsky, der das jüdische Schulwesen ab Sommer 1946 aufbaute. (Bildarchiv Lohamei HaGettaot, Israel)

 

unten: David Szirmann im Juli 2004.

 

Die Odyssee der Dornstadter Kinder mit der „Theodor Herzl“
Auch das Schicksal der Kinder nach dem Verlassen Dornstadts lässt sich nun mit Dokumenten belegen. Die Kinder erreichten auf ihrer Odyssee durch die Nachkriegswelt mit dem Schiff „Theodor Herzl“ am 13. April 1947 den Strand bei Tel Aviv. Britische Seestreitkräfte stürmten das Schiff mit Waffengewalt. Zwei DPs starben, sechs weitere wurden mit schweren Schussverletzungen ins Government-Hospital in Haifa eingeliefert. 86 weitere Verwundete wurden später an Land gebracht. Der Rest, weit über 2500 DPs – darunter die Kinder von Dornstadt – wurden in Zypern interniert. Erst 1948, mit der Unabhängigkeit des Staates Israel, kamen die Kinder frei. Als die Theodor Herzl in Haifa anlegt, ist Robert Capa da, der vielleicht berühmteste Kriegsfotograf - und fotografiert die letzten Schritte der Odyssee. Auch dieses Bild konnte ich fi nden, durch Zufall.

Christof Maihoefer


Der zweite Name, David Szirmann, begeisterte mich noch mehr: er war damals schon Lehrer, und hatte in Ulm geheiratet. Er wohnt heute in Akko. Ihn suchte ich schon seit Langem. Denn er hatte in der Unter-grundarbeit 1945/46 eine Gruppe Waisenkinder von Polen über ver-schlungendste Pfade nach Dornstadt gebracht. David Szirmann war sofort bereit, sich mit mir zu treffen.
Dass ich ihn von meinen Bildern kannte, war mir sofort klar, als ich ihn sah. Aber ich konnte ihn nicht

 

 

 

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